Viel zitierte Spam-Studie weist einige Schönheitsfehler auf
Wie der Spiegel in der vergangenen Woche berichtete, weist GMX das schlechteste Ergebnis bei einem Spam-Test des renommierten Fraunhofer-Instituts auf: 116 Spam-Mails schlichen sich bei dem Test ins Postfach. Auch Web.de wurde für zu viel Spam während des Test-Zeitraums abgestraft. Doch was der Spiegel bei seinen Recherchen leider übersehen hat: Die Studie des Fraunhofer-Instituts wurde von Microsoft gesponsert – und dessen kostenloser E-Mail-Dienst Hotmail hat deutlich besser abgeschnitten.
Jetzt wäre es natürlich relativ einfach zu behaupten, dass Microsoft sich das gute Testergebnis gekauft hat – doch die Wahrheit sieht ein wenig komplizierter aus: Testsieger wurde nämlich Yahoo, während Hotmail auf dem zweiten Rang landete – gefolgt von Googles E-Mail-Service GMail. Der eigentliche Hammer bei dieser Berichterstattung liegt nämlich ganz woanders.
Denn im Prinzip wurden bei dem Test Äpfel mit Birnen verglichen – während US-Anbieter wie Hotmail oder Yahoo Mails einfach löschen dürfen, sieht es die deutsche Gesetzgebung vor, dass jede E-Mail zugestellt werden muss. Ob es sich dabei um Spam handelt oder nicht, ist dabei völlig unerheblich. Konkret bedeutet dies also, dass Yahoo und Microsoft Spam-Mails einfach löschen dürfen, weil es sich um amerikanische Unternehmen handelt, während GMX und Web.de jede Spam-Mail fein säuberlich ins Postfach vorlassen müssen.
Von dort können Spam-Mails mittels spezieller Filter jedoch sofort wieder ausgesiebt werden, sodass der Nutzer von den lästigen Werbebotschaften gar nichts mitbekommt. Doch wie gut die Spam-Filter der einzelnen Anbieter arbeiten, wurde von der Studie überhaupt nicht berücksichtigt. Außerdem wurde auch die hauseigene Werbepost als Spam eingestuft. Aus Anwendersicht sicherlich keine falsche Entscheidung, denn die penetranten Produkthinweise von GMX und Web.de nerven sicherlich – doch anders als bei Spam kann man sich dort ganz einfach abmelden und erhält diese Newsletter dann auch nicht mehr. Als Spam kann die hauseigene Werbepost dieser beiden Anbieter also nicht klassifiziert werden.
Der krönende Gipfel ist jedoch eine Aussage des Studienleiters: „Das Ergebnis dieser Studie ist nur eine Momentaufnahme und lässt sich nicht ohne Weiteres verallgemeinern.“ Doch genau dieser Versuchung sind mehrere Medien unterlegen und hat sich (unwissentlich) zum Erfüllungsgehilfen in einer mit harten Bandagen geführten Schlacht um Marktanteile gemacht, den die Anbieter kostenloser E-Mail-Dienste in Deutschland ausfechten.
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